Heute morgen sind wir in der Marina von Brighton angekommen und sind gegen Mittag mit dem Bus in die Innenstadt – der erste Eindruck: etwas runtergekommen und schmuddelig feiert Brighton seine Lesben und Schwulenkultur ab.
der alternative PartAus dem Bus von der Marina zur Innenstadt
Die Seebrücke ist in den Achzigern stehen geblieben, mit angerosteten Fahrgeschäften und übelsten Spielhallen mit kuriosen Spielautomaten und dickem Teppichboden… kein Ort an dem ich Zeit verbringen möchte.
Palace Pier – Palace of bad taste …
Auf dem Weg zum Bahnhof haben wir einen Japaner gefunden, der sehr einladend war: geschmackvoll eingerichtet, sauber und innen gab es außer uns ausschließlich asiatischen Gäste – ein Glücksgriff.
Steffi’s und Norberts Bier
Heute Abend geht es früh ins Bett und Morgen früh fahren wir mit dem Zug nach London.
Wir sind unterwegs nach Brighton und fahren nun zum 4. Mal über Nacht, inzwischen hat sich unter einfachen Bedingungen bereits eine gewisse Routine eingestellt.
Das Hoch über England ist unser Freund, leider wird es voraussichtlich zu Beginn kommender Woche abgezogen sein. Eigentlich müssten wir die Zeit nutzen um ‚einfach’ durch den Kanal zu kommen, aber wir wollen ja auch was von den Orten sehen …
Heute Vormittag hatte ein Segler der Französischen Küstenwache ein Schlauchboot mit ca. 40 Insassen nahe der französischen Küste gemeldet. Heute Mittag haben wir das Boot selbst mitten auf dem Kanal gesichtet, ein riesiges Schlauchboot mit kleinem Motor, wir sind höchtens 150 Meter dran vorbei. Die Französische Marine hat das Ganze mit Abstand beobachtet. Dir UK border control kam um das Boot an der Seegrenze in Empfang zu nehmen, wir konnten das nicht genauer verfolgen, ich vermute, das Schlauchboot wurde zurück geschickt… ein seltsames Gefühl, ein paar der Insassen haben uns gewunken, aber wir haben nicht reagiert … (über Funk haben wir uns mit der UK border control abgestimmt, die waren bereits in Sichtweite und kurze Zeit später vor Ort …)
Britische und französische Marine rund ums Flüchtling-schlauchboot
Nieuwpoort ist echt ein hübsches Städtchen und wirklich fortschrittlich: Bereits 2012 wurden alle Hexen rehabilitiert…
Ein Blick in die kleinen schmalen Nebengassen wird man manchmal
mit einem kleinen Kunstwerk belohnt:
Morgen wollen wir weiter. Es soll nach Brighton gehen. Norbert hat sich heute Nachmittag um die Routenplanung gekümmert und Joeline und ich sind mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren um noch ein paar Lebensmittel zu besorgen.
Tja, auch hier haben die meisten Geschäfte sonntags geschlossen… Aber wir dachten: irgendwo werden wir schon noch etwas auftreiben und haben mit dem Rad sämtliche Gassen nach einem kleinen Geschäft gesucht, das geöffnet hat. Gefunden haben wir einen schnuckeligen „Ijs Salon“:
seeeeeehr lecker!
Einen Mini-Supermarkt haben wir dann auch noch gefunden!
heute Mittag (Samstag) um 12 war wieder alles frisch: bis um 11 Uhr ausgeschlafen, geduscht und einen großen Teller Miracoli zum Frühstück 🙂
Wir sind heute Nacht nach 44 Stunden Fahrt und 244 Seemeilen auf der Logge um 2 Uhr in den Vlaamse Yachthaven Nieuwpoort eingelaufen und waren froh, gut bei einfachen Bedingungen angelegt zu haben. Es gab noch ein Dose Heineken (‚always drink Heineken‘) und einen kurzen Rundgang auf dem Marina-Gelände und dann ging es ins Bett.
Die Überfahrt war vielseitig, zunächst mit Motor gegenan, Schmetterling mit ausgebaumten Vorsegel, erstes Reff, zweites Reff, das letzte Stück wieder unter Maschine da nur schwacher achterlicher Wind.
Krabbenkutter morgens vor Borkum
Highlights unterwegs waren: Nebel mit 50 Meter Sichtweite (Klasse, wir konnten unser neues Horn mit Nebelhorn Funktion zum Einsatz bringen). Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es sich bewährt, der guten Seemannschaft immer Folge zu leisten, und während der Fahrt alle Fenster/Luken geschlossen zu halten (wir hatten auf der Luvseite ein schmales Fenster offen um die Antenne des Satelliten-Telefons nach außen zu bringen, als ein Fischkutter von Steuerbord die KVR Regel 18 nicht beachtet hat. Wir haben mit dem Horn 5 x kurz gegeben, worauf jemand auf der Brücke erschien und Gas gegeben hat um noch knapp vor uns durchzukommen. Die vom Kutter erzeugte Heckwelle sorgte dann an unserer Bordwand für etwas Gischt, die durch das offene Fenster auf den Laptop platschte. Steffi hat es schnell abgetrocknet, ich haben dann später erst bemerkt, dass die Verbindung zum Satellitentelefon nicht mehr funktioniert: das USB Kabel war am Stecker vollständig korrodiert…
Am Mittwoch sind in Borkum zwei Kutter eingelaufen, einer davon wäre gesunken, wenn die Niederländische Küstenwache ihn nicht rechtzeitig leer gepumpt hätte um das Leck zu finden, der andere hatte Krabben dabei und Joeline hat für einen Zehner ein ganze Teigschüssel voll erstanden – mit Krabben kann man die Nachbarn im ‚Päckchen‘ erfreuen und mit Krabben pulen kann man sich prima die Zeit auf dem Boot vertreiben:
Joeline beim Krabben pulenGroßsegel der KAIMANAAbenddämmerung
Nieuwpoort
Heute Nachmittag waren wir in Nieuwpoort – sehr sehenswerte Stadt mit viel schönem Mauerwerk und Frauen, die ihre kleinen Hunde in Kinderwagen spazieren fahren…
Joeline war den ganzen Tag mit Ihrer Freundin Juliane von der Good Fellow unterwegs. Wir vier waren Abends noch in einer Brasserie essen und haben dann den Abend im Cockpit der Good Fellow mit Claudia und Marco ausklingen lassen.
Steffi in NieuwpoortSteffi in NieuwpoortSteffi und Norbert in NieuwpoortHotel de Ville und Kirche
Am Donnerstag um 6 sind wir in Borkum los Richtung Niederlande / Belgien. Wir müssen nach Nieuwport, dort wartet ein WAL-PAL und die Crew der Good Fellow auf uns. Der WAL-Pal wurde von Professor Culik entwickelt und soll die Orcas auf Abstand halten (kürzlich ist die erste Yacht vor Portugal nach einen Angriff durch Orcas gesunken). Wenn alles glatt geht, sind wir am Samstagmorgen in Nieuwport.
Mittwoch haben wir das neue Schlauchboot und den Außenborder getestet: Nach anfänglichen Schwierigkeiten (der Adapter für die Luftpumpe ging über Bord bevor er zum Einsatz kam und das Verlängerungskabel für die elektrische Luftpumpe versagte nach 5 Minuten seinen Dienst und musste ersetzt werden) hat alles gut geklappt: Mit 2 Personen kommt das Boot in Gleitfahrt, zu Dritt schaffen das die 6 PS leider nicht … und wir waren noch eine Runde im Hafen schwimmen.
Wir haben den Tag mit Kleinigkeiten verbracht: Boot außen von Flecken befreit, Fender von Alu-abrieb befreit, Winschen poliert, das Päckchen organisiert. Gleich geht es nochmal nach Borkum City um ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Am Donnerstag soll es mit dem ersten Hochwasser weiter Richtung Holland gehen.